eine Anleitung zum Glück?

Hallo du!

Heute will ich mal wieder über ein Paradox schreiben, das ich bei mir selbst immer wieder beobachten kann. Es geht um Anleitungen und Glück und was ein Achtsamkeitsbuch und das Fotoalbum vom letzten Urlaub für einen Stress auslösen kann.

Zuerst einmal will ich mit einem ganz allgmeinen Problem unserer Zeit beginnen. Wir haben so viele Möglichkeiten. Zu viele. Jeden Tag werden wir quasi überflutet von Möglichkeiten. Das fängt bei den banalsten Dingen an, zum Beispiel damit, was wir zu mittag essen. Alles oder lieber nichts Tierisches oder lieber mal so mal so oder doch paleo? (Was ist das denn überhaupt für ein food trend?) Wohin wollen wir in den Urlaub? Was ziehen wir morgens an? Wie wollen wir unseren Kaffee? Einfach zu viel Auswahl. Bei allem. Ja, genauso ist es auch mit dem Glück.

Es gibt unzählige Anleitungen, wie man am besten glücklich ist. Da gibt es den Minimalismus, Yoga und Achtsamkeit, Meditation, Ausmalbücher und Journaling, man kann üben besser zu schlafen, sich weniger Gedanken zu machen, mehr raus in die Natur zu gehen oder sich ein Smartphone-Detox vornehmen. Und das sind natürlich noch lange nicht alle Möglichkeiten, sich im glücklich sein zu üben.

Es gibt nicht den einen Weg, den wir gehen können, es gibt nicht die eine Lösung. Alle Möglichkeiten sind gleich gut oder schlecht und wir können unmöglich alles ausprobieren, um zu wissen, was uns gut tut.

Ich beschäftige mich viel mit solchem Kram. Zum einen hab ich ein Magazin abonniert, das ich unheimlich gerne lese, und dort gibt es jedes mal andere Tips und Artikel zum kleinen Glück. Außerdem versuche ich regelmäßig Yoga zu machen, weil ich weiß, wie gut mir das tut, ich schreibe hin und wieder Tagebuch und führe ein bullet journal mit einer ausführlichen gratitude list. Im Urlaub mache ich unzählige Bilder und schreibe seitenweise alles Erlebte ganz genau auf, um irgendwann ein schönes Travel diary in den Händen zu halten. Diese Liste könnte ich hier noch ein wenig weiterführen, aber eigentlich sind die verschiedenen Dinge ja auch gar nicht der Punkt.

Der Punkt ist: auch wenn mich all diese Gewohnheiten eigentlich glücklich machen, wird mir das alles öfter mal zu viel. Dann bedeutet mir ein Tagebuch Eintrag einfach nur Stress und ich muss mich quasi zwingen kurz vor dem Schlafen noch Yoga zu machen, um es in meinem Planer abhaken zu können.

Manchmal hab ich das Gefühl, umso mehr wir uns bemühen glücklich zu sein, desto stressiger empfinden wir alles, was mit dem vermeintlichen Glück verknüpft ist. Ein Paradox. Denn oft geht es eigentlich nur um das Eine: Loslassen.

Darin bin ich ehrlich gesagt wirklich schlecht. Ich bin ein aktiver Mensch, will ständig produktiv sein, kann mich nicht mal mehr hinsetzen und in Ruhe ein Buch lesen, ohne dass ich mich fühle, als würde ich Zeit vergeuden. Und deswegen sehen meine Glücks-Angewohnheiten manchmal mehr aus wie Aufgaben auf meiner to-do Liste.

Ich habe mir vorgenommen, das zu ändern. Es ist okay, loszulassen. Es ist okay, mal nichts zu tun, mal alles stehen und liegen zu lassen, mal einfach nur zu atmen.

Oft ist es uns wichtiger zu tun, statt einfach nur zu sein. Das ist zwar nicht falsch, aber manchmal eben nicht besonders hilfreich. Das beste kleine Glück erlebe ich meistens eh ganz ungeplant. Und dann frag ich mich wieder, ob eine Dankbarkeits-Liste oder ein Fotoalbum mich genauso glücklich machen, wie das Lächeln eines Kleinkindes morgens in der überfüllten U-bahn.

Loslassen, loslassen, loslassen.

Und ja, das größte Paradox an diesem Post ist, dass ich ja hier irgendwie auch eine Anleitung schreibe, wie du am besten glücklich sein kannst haha. Mal ausprobieren kannst du das Loslassen ja trotzdem. Ich finde es wesentlich schwieriger als alles andere, dabei ist es eigentlich der kleinste Aufwand zum größten Lächeln.