Know your privilege.

Eine lose Gedankensammlung von mir zum aktuellen Weltgeschehen.

Ganz kurzer Disclaimer vorweg: Das hier ist eine Gedankensammlung, kein politisch informierender Artikel mit Wahrheitsanspruch. Wollte nur kurz vorwarnen.

Das Fass läuft über

Jetzt ist es also soweit. Das Fass läuft über. Der Tod George Floyds hat eine Flut der Empörung, des Schmerzes und der blanken Wut losgelöst und diese Flut schwappt gerade über den Erdball. Die westliche Welt ist in Aufruhr über Gewalt, Rassismus, Ungerechtigkeit.

Ich habe mich gefragt, warum es gerade jetzt so weit ist. Ich bin niemand, der sonderlich viel Nachrichten liest, aber ungerechtfertigte Polizeigewalt, ja sogar Mord an People of Color ist in der USA doch quasi an der Tagesordnung, oder? Aber vielleicht tut das auch nichts zur Sache, die Frage, warum gerade jetzt.

Das was zählt ist, dass es den Menschen jetzt endgültig reicht. Dass das jetzt zu viel war. Dass jetzt sofort Schluss sein muss, mit dieser Scheiße.

Schwarze Quadrate

Damit alle mitbekommen, dass es jetzt reicht, gab es vorgestern den sogenannten ‚blackouttuesday‘ und mein Instagram-Feed war voll von schwarzen Quadraten. Ich bin bei sowas immer ein wenig skeptisch. Wer von den Menschen, die jetzt ein solches Quadrat posten, hat sich wirklich informiert? Wer hat ein Buch zu Rassismus gelesen, plant auf eine Demo zu gehen oder hat dem rassistischen Onkel jetzt endlich mal die Stirn geboten? Was steckt hinter all den Quadraten? Echtes Mitleid, Anteilnahme und der Wille, etwas zu verändern? Oder doch nur Heuchelei? Mitmachen, weil man sonst komisch dastehen könnte. Mitmachen, weil es das ist, was die Community jetzt sehen will. Mitmachen, weil man sich positionieren muss, um nicht von anderen positioniert zu werden.

Gestern, also der Tag nach dem ‚blackouttuesday‘ bestätigte meine Skepsis. Denn sind wir ehrlich: Jemand, der jetzt wirklich dabei ist, jemand, der sich jetzt mit dem Thema auseinandersetzen will, der sich informieren will und helfen will, der postet nicht am nächsten Tag sein Frühstück, als sei nie etwas gewesen. So läuft das nicht. Aber ganz genau das ist passiert. Leute posten ihre Frühstücke als wäre es mit dem schwarzen Quadrat getan. Als hätten sie damit schon ihren Beitrag geleistet.

Privilegien

Ich tue hier jetzt so, als hätte ich das Recht darüber wütend zu sein, dass Menschen schon einen Tag nach dem ‚blackouttuesday‘ wieder ihre Frühstücke posten, aber das Recht hab ich eigentlich nicht. Weil ich privilegiert bin. Unglaublich privilegiert. Und dessen bin ich mir bewusst. Ich bin eine privilegierte, gesunde, weiße Frau, aufgewachsen in einer Familie ohne Probleme, in Deutschland, einem der sichersten und reichsten Länder der Welt. Ich habe Möglichkeiten bekommen, die andere niemals haben werden. Weil ich gesund bin, weil meine Familie genug Geld hat, weil ich gefördert wurde, weil ich mir im Grunde genommen keine Sorgen um irgendwas machen muss.

Ich glaube, viele Menschen haben verlernt, Privilegien anzuerkennen, zu sehen, zu bemerken. Sie laufen blind durchs Leben, jammern über eine Nebenkostenabrechnung und darüber, dass das Hotel am anderen Ende der Welt kein gutes Wlan hat. Ich bin schon so vielen Menschen begegnet, die keine Ahnung haben, wie privilegiert sie eigentlich sind.

Vermutlich gehöre ich selbst dazu. Ich glaube keiner, der viele Privilegien hat, ist im Stande, alle wirklich zu begreifen. Wir können uns das Ausmaß nicht vorstellen. Wir können uns nicht vorstellen, wie es ist, aufgrund der Hautfarbe verurteilt zu werden.

Hier ist aber eine Sache, die ich sehr wohl weiß: Wir können es versuchen. Wir können versuchen, unsere Privilegien zu kennen. Ich persönlich bemühe mich sehr darum, mir meiner Privilegien bewusst zu sein. Ich versuche jeden Tag zu begreifen, was für ein Glück ich hatte. Denn um etwas anderes geht es hier nicht. Am Ende des Tages bist das nicht du, die durch harte Arbeit und positive Affirmationen etwas erreicht. Am Ende des Tages sind es deine Startbedingungen, die deinen Weg bestimmten und für die musstest du rein gar nichts tun. Du hattest einfach nur Glück.

Kenn deine Privilegien

Bevor hier also jeder ein schwarzes Quadrat postet, sich kurz schockiert gibt und sich dann wieder mit seinem Frühstück beschäftigt, möchte ich vor allem eins raten: Lasst uns unsere Privilegien kennen. Lasst uns anerkennen, dass wir Glück hatten, dass es Menschen gibt, die wegen Startbedingungen, für die sie nichts können, jetzt in einer Lage sind, die wir Privilegierten uns nicht vorstellen können.


Denn wann immer wir etwas verändern wollen, müssen wir uns zuerst eingestehen, wie der Ort aussieht, an dem wir uns gerade befinden. Und dieser Ort ist sehr weiß und sehr privilegiert.

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