Zwischen Bananenbrot, Vermissungen und Home Workouts

Mind / Thoughts

Wie ich die Quarantäne so empfinde. (Photo by Lauren Mancke on Unsplash)

Das neue Normal

Vier Wochen ist es nun schon her. Vier Wochen, seitdem ich das erste mal meinen Laptop im Home Office aufgeklappt habe. Ein verheißungsvoller Montag, dem viele andere Tage in Selbstisolation mit Ausgangsbeschränkung folgen würden. Die Ubahn ist gänzlich aus meiner Lebens-Realität verschwunden, neulich war ich sogar verwundert, dass sie überhaupt noch fährt. Hände waschen ist mein neues Hobby und der Lebensmittel-Einkauf mit verlängerter Runde um den Block ist jede Woche ein absolutes Highlight. Das neue Normal ist zu meiner Realität geworden, eh es mir wirklich bewusst wurde.

Corona ist wie Liebeskummer

Wahrscheinlich bin ich nicht die einzige, die diesen Satz schon mal in einem Podcast, auf Instagram oder sonst wo gelesen oder gehört hat, aber ich kann ihn nur nochmal wiederholen. Denn es stimmt, Corona ist wie Liebeskummer. Ich wache auf, schaue raus und höre die Vögel, da muss ich plötzlich daran denken, dass ja immer noch Corona ist. Ich backe einen Kuchen und da ist es wieder im Kopf: Achja, Corona. Ich gehe in den Park, sehe die Polizei und schon erinnere ich mich: Halt mal, da war ja was. Immer dann, wenn sich alles so wie immer anfühlt, so wie es vorher war, dann scheint es einem aus dem Nichts wieder entgegen zu schreien: CORONAAAA. Wie Liebeskummer. Immer da.

Am Anfang war alles blöd

Mittlerweile hab ich mich zurecht gefunden, aber wenn ich an das erste Wochenende mit Ausgangsbeschränkungen zurückdenke, dann muss ich schlucken. Eine Achterbahn der Gefühle, in der es hauptsächlich bergab ging. Ich hab viel geweint, was ich sonst eher nicht tue. Weil ich meine Familie so gern sehen wollte, weil ich unter Leute wollte, weil ich raus wollte, mich einfach nur eingesperrt fühlte.

Ich bin eine sehr aktive Person und für gewöhnlich bin ich jeden Tag unterwegs, im Büro, im Café, Freunde sehen, im Park Yoga machen, Einkaufen, in der Uni. Von heute auf morgen komplett daheim zu bleiben schien mir wirklich schlimm. Zum Glück bin ich aber mit einem Lieblingsmensch zuhause eingesperrt, der wie ein Fels in der Brandung alles über sich ergehen ließ und mich immer wieder beruhigte und aufmunterte.

Sich neu arrangieren

Doch auch wenn aller Anfang schwer ist, bleibt der Mensch ein Gewohnheitstier und man braucht nur einmal mit den Wimpern zu schlagen, schon ist man in der neuen Realität angelangt, hat sich angepasst, lebt in einem neuen Rhythmus. Mittlerweile frage ich mich nicht mehr, wie ich die Quarantäne Zeit weiterhin überstehen soll, sondern wie um alles in der Welt ich vor alledem meinen Alltag hinbekommen habe. Denn auf einmal ist alles so langsam, es gibt so wenig zu tun, so wenige Orte, an denen man sich aufhalten kann, so wenig hin und her fahren, einfach von allem weniger.

Neulich habe ich mich sogar dabei erwischt, zu hoffen, dass die Ausgangsbeschränkungen noch ein bisschen länger andauern. Einfach weil ich die Langsamkeit irgendwie genieße. Ich backe Bananenbrote, so wie jede*r aktuell, wir kochen jeden Tag, machen Home Workouts und ich arbeite weiterhin, hab aber trotzdem Zeit für eigene Projekte, lese viel und fühle mich nicht schlecht, wenn wir jeden Tag Netflix gucken. Es gibt ja eh nichts anderes zu tun.

Privilegien im Hinterkopf

Und während es auf Social Media aktuell nur darum zu gehen scheint, was man gegen Langeweile tun kann und auch ich mich dabei ertappe, wie ich über Kleinigkeiten meckere, gibt es Menschen, die gerade ganz andere Sorgen haben. Menschen, die gerade allein mit drei Kindern und ohne Arbeit daheim sitzen. Menschen, die sich jeden Tag dem Risiko aussetzen müssen, krank zu werden, weil sie im Supermarkt arbeiten, oder gar als Pflegekraft im Krankenhaus. Menschen, die an den europäischen Grenzen stehen, geflohen, verjagt, traumatisiert, ohne Zugang zu fließend Wasser, mit dem man sich die Hände waschen könnte.

Und wenn ich daran denke, dann kann ich mich nur unglaublich glücklich schätzen. Dann gibt es keinen Grund mehr zu weinen, keinen Grund mehr sich über die Polizei im Park aufzuregen. Dann fühl ich mich ganz klein, in meiner privilegierten Bubble.

Sowas tut mir oft ganz gut. Mal über den Tellerrand zu schauen, mal an andere zu denken. Denn dann ist da auf einmal ganz viel Dankbarkeit in mir. Zuhause bleiben, das werd ich doch wohl schaffen.

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