Die Pille und warum es manchmal keine perfekte Lösung gibt

Verhütung. Ein viel diskutiertes Thema, das gleichzeitig oft mal unter den Tisch fällt und nur unter vorgehaltener Hand besprochen wird. Nachdem es zum regelrechten Trend wurde, die Pille abzusetzen und darüber online zu berichten, will ich nun auch endlich mal meinen Senf dazugeben, meine eigene kleine Verhütung-Geschichte erzählen und mein Learning aus dem ganzen Thema mit euch teilen. (Photo by Anastasiia Ostapovych on Unsplash)

Kurzer Disclaimer vorweg!

Erstens: Ich bin keine Ärztin, Pharmazeutin oder sonst was, ich habe nicht mal ein Bio Abi gemacht. Soll heißen: Ich kenne mich nicht aus. In diesem Beitrag möchte ich einfach von MEINEN persönlichen Erfahrungen erzählen. Nehmt Verhütung nicht auf die leichte Schulter, redet mit euren Partner*innen darüber, geht zu einem Gynäkologen und lasst euch beraten.

Zweitens: Nur ein Kondom (wenn ihr es richtig anwendet) schützt vor Geschlechtskrankheiten. Seid nicht nachlässig und kümmert euch um eure Gesundheit! Glaubt nicht einfach jedem, der euch sagt, er hat nichts. Die meisten haben keine Ahnung und sind einfach naiv. Lasst euch testen! (Geht kostenlos und anonym beim Gesundheitsamt, mehr Infos hier)

Drittens: Sagt NEIN, wenn ihr keinen Sex wollt. Redet mit euren Partner*innen und fühlt euch nie, nie, nie zu irgendetwas gezwungen.

Viertens: Love is love.

Disclaimer Ende.

Die Anti-Baby-Pille

Alles fing damit an, als ich mit 15 meinen ersten richtigen Freund hatte. Ein lieber Junge aus der Parallel-Klasse mit dem ich bald so vertraut war, dass wir unser erstes Mal miteinander haben wollten.

Ich war 16 als ich mit meiner Mama zum Frauenarzt gegangen bin, um mich um eine Verhütung zu kümmern. Beim Gynäkologen wurde da gar nicht viel besprochen, ich wurde damals nicht mal untersucht. Die Pille. Das war die Lösung, die Verhütung, die wohl alle Mädchen in meinem Alter einfach mir nichts dir nichts verschrieben bekamen. Und ich war naiv und jung und hatte nur entfernt Begriffe wie Spirale und Kupferkette im Kopf. Also hab ich die Pille erstmal nicht in Frage gestellt. Ich hab sie hingenommen, mich nicht weiter gekümmert und jeden Abend brav die kleine Tablette geschluckt.

Kurz darauf hatte ich auch zum ersten mal einen Vaginalpilz (Das kann übrigens jedem passieren und hat nichts mit fehlender Hygiene zu tun! Viel eher wird er zum Beispiel durch Hormonschwankungen ausgelöst…), mit dem ich einige Monate zu kämpfen hatte. Die Pille stellte trotzdem keiner in Frage. Und so lief das erstmal vor sich hin. Sonstige Beschwerden hatte ich keine.

Was nehm ich da eigentlich?

Zum ersten mal bewusst darüber nachgedacht, was ich da eigentlich die ganze Zeit über zu mir nahm, hab ich dann zwei Jahre später, als meine Freundin mir diverse Horror-Geschichten erzählte, hormonelle Verhütung verteufelte und sich glasklar dagegen wehrte, die Pille mal auszuprobieren.

Und dann kam auch bald ein regelrechter Trend auf, YouTube war in meiner kleinen Bubble voll mit Videos zum Absetzen der Pille. Seltsam, dass es da wohl auf einmal so eine Welle der Erkenntnis gab. Also habe auch ich begonnen, mich genauer damit auseinanderzusetzen, was die Pille eigentlich ist und wie sie wirkt.

Parallel dazu entwickelte mich in Richtung Öko, wurde kritisch gegenüber Medikamenten, ernährte mich gesünder und achtete auf Mikroplastik. Da kam es schon das ein oder andere Mal vor, dass mich ein Typ tatsächlich aktiv darauf ansprach, wie komisch es ist, dass ich die Pille nehme. Meine Partner waren verwundert und erstaunt, sagten mir, das würde ja sogar nicht zu meinem Lebensstil passen.

Also begann ich, die Pille selbst in Frage zu stellen und mit jedem Mal Tablette schlucken entwickelte sich mehr und mehr eine kritische Stimme in meinem Kopf, die sich gegen meine Verhütungsmethode aussprach.

Die Pille absetzen

Zu meinem inneren Kritiker kam dann auch noch eine Flut an positiven Rückmeldungen von Frauen in meinem Umfeld, die die Pille abgesetzt hatten und jetzt bessere Laune hatten, mehr Lust empfanden, generell wohl viel wacher und aktiver durchs Leben gingen und und und…

Im Juni 2019 hab ich es also einfach gemacht. Ich hab die Pille abgesetzt. Schön. Ich hab mich zur natürlichen Familienplanung informiert, angefangen meine Temperatur zu messen und war total hyped. Und dann passierte… richtig. Nichts. Es passierte nichts. Ich fühlte mich weder besser oder erleichtert, noch hatte ich mehr Lust als davor. Und das Beunruhigendste war: Ich bekam meine Periode nicht. Gar nicht.

Ich machte drei Schwangerschaftstests, war rund um die Uhr nervös und beunruhigt und war mehrmals beim Frauenarzt, um sicherzugehen, dass da nichts im Argen war. „Das dauert manchmal eine Zeit, bis sich alles wieder eingespielt hat“ war die Antwort, die ich auf meine Fragen bekam. Und irgendwie ja auch klar. Als ich die Pille verschrieben bekam, hatte ich noch nicht einmal ein ganzes Jahr meine Periode. Meine Tage kamen unregelmäßig und hatten keine Zeit sich einzupendeln bevor ich anfing alles mit Hormonen von außen zu steuern…

Verhütung nur mit Kondom

In den Monaten ohne Pille hab ich nur mit Kondom verhütet. Ich hatte keine Zeit und Lust mich mit anderen Methoden zu beschäftigen und die natürliche Familienplanung fiel ja ohne Periode eh flach. Also einfach aufpassen.

Aufpassen, sich nicht zu nah kommen, immer ein Kondom nehmen, danach ins Bad, alles abwaschen, wieder ein Höschen anziehen. Zusätzlich zu den vielen Einschränkungen die man machen muss, wenn man nur mit Kondom verhütet, hatte ich permanent Angst schwanger zu werden.

Jedes Mal, wenn ich mit einem Partner auch nur annähernd intim wurde, war da eine kleine Panik, die in mir aufkeimte, dass es wohl dieses Mal soweit war: Ich würde schwanger werden, mein Studium abbrechen müssen, wieder bei meinen Eltern einziehen und mein Partner würde sich aus dem Staub machen. Keine schöne Vorstellung. Und diese Angst, sind wir mal ehrlich, die hemmt einen. Wie soll man sich beim Sex fallen lassen können, wenn man die ganze Zeit nichts anderes im Kopf hat als „Oh mein Gott, was wenn ich schwanger werde?!“ Entspannter Sex geht anders.

(Ich frage mich an der Stelle auch, ob diese Komponente in den ganzen positiven Storys über hormonfreie Verhütung einfach totgeschwiegen wird, oder ob ich ein wenig zu panisch bin…?)

Zurück zur Pille

Nachdem sich letzten Herbst dann auch mein Beziehungsstatus von „Single“ auf „in festen Händen“ änderte, reichte es mir endgültig mit dieser ständigen Panik, dem Aufpassen müssen und der unentspannten Atmosphäre im Bett. Auf einen festen Partner wollte ich mich umso mehr komplett einlassen können. Ohne Sicherheitsabstand.

Also bin ich kurzer Hand nach vier Monaten Pause ohne Veränderung und ohne Periode zurück zur Pille. Was soll ich sagen, auch das war bisher nicht ganz rosig. Zwar muss ich mir jetzt keine Gedanken mehr um eine Schwangerschaft machen, aber mein Körper ist seit der ersten kleinen Tablette beleidigt. Klar, ich hab ja auch einfach zum zweiten Mal meinen Hormonhaushalt von 0 auf 100 über den Haufen geworfen.

Starke Regelschmerzen, Übelkeit, Stress und Frustration begleiteten mich in der Anfangszeit, zusätzlich zum nett gemeinten Hinweis meiner Frauenärztin: „Oh, das sollten Sie aber nicht tun, einfach so die Pille absetzen und dann wieder nehmen!“ Na toll. Hätte mir das jemand mal früher sagen können?!

Jedenfalls weiß ich gerade nicht was besser war… Untentspannt mit Kondom, oder ohne Kondom mit ständigem Auf und Ab zwischen Schmerzen, Cremes und ungehemmtem Sex.

Es gibt keine perfekte Lösung

Hier also mein „Aha“. Was ich aus meiner Verhütungs-Geschichte mitgenommen habe. Zu manchen Problemen gibt es keine perfekte Lösung. Wir sind es gewohnt, immer eine perfekte Lösung zu suchen, schließlich wollen wir alles richtig machen. Aber manchmal geht das nicht. Manchmal gibt es nur die Wahl zwischen schlecht und noch schlechter. Und was das dann für einen ist, muss man einfach möglichst genau abwägen.

Ich werde mich jetzt erstmal wieder mit der Pille einrichten, aber bei dir kann das ganz anders sein. Verhütung ist etwas Persönliches und niemand sollte einem da rein reden. Vielleicht findest du schon eine perfekte Lösung. Ich hab sie für mich nicht gefunden und hab gelernt, genau diese Tatsache auch zu akzeptieren.

 

4 Antworten auf “Die Pille und warum es manchmal keine perfekte Lösung gibt”

  1. Ich bin auch wieder zurück zur Pille. Wollte eigentlich eine Spirale haben, aber die konnte bei mir nicht gesetzt werden. Also nach einem halben Jahr Pillenabstinenz wieder zurück zu den Hormonen. In dem halben Jahr ohne musste ich zweimal die Pille danach nehmen, weil das Kondom gerissen ist. Hab die Verhütung mit Kondom auch eher als unentspannt empfunden und der Sex fühlte sich auch weniger intensiv an. Auf lange Sicht würde ich es auch mit natürlicher Familienplanung versuchen, aber zur Zeit mache ich noch eine Allergietherapie, wenn man dabei schwanger wird, muss man das abbrechen, daher scheint mir die Pille dann momentan die sichere und einfachste Lösung zu sein.

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    1. Ich kann das Alles total gut verstehen und nachfühlen. Es ist ja auch nicht so, dass es für immer sein muss, aber wenn die Pille einfach am besten zur eigenen aktuellen Lebenslage passt und man sich damit einigermaßen wohlfühlt, dann ist das wohl die beste Lösung. 🙂 Danke, dass du deine Gedanken dazu hier teilst ❤️

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  2. DANKE, Celine, für diesen Beitrag! Mir geht es genau wie dir, dass es mich frustriert, dass es einfach keine perfekte Lösung gibt. Es hat sehr gut getan, zu lesen, dass es auch andere gesundheitsbewusste, nachhaltig orientiere Frauen gibt, die sich genau wie ich FÜR die hormonelle Verhütung entscheiden. In meiner Social Media bubble haben nämlich auch gefühlt alle die Pille abgesetzt, aber nie so wirklich von den „Schattenseiten“ berichtet. Danke für deine offene Art und dass du sogar so etwas Privates mit uns teilst ❤

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    1. Liebe Sarah, danke für dein liebes Feedback! ❤️ es freut mich so sehr, wenn ich höre, dass ich andere Menschen mit meinen Beiträgen erreiche und es dir damit jetzt besser geht 🙂 Ich finde wir sollten generell viel offener mit diesen Themen umgehen! 🙏🏽

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