Poesie

Für manche Momente im Leben findet man keine Worte. Bei Sonnenuntergängen geht es mir meistens so. Manche Momente fühlen sich einfach so intensiv und atemberaubend an, dass man sie nicht beschreiben kann. Ich habs trotzdem versucht.

Ich stehe da im nassen Sand, mitten im Watt. Das Meer hat sich weit zurückgezogen und die flache Küste erstreckt sich vor mir. Auf dem Sand ein paar Steine, Muscheln, Algen und Krebse, hier und da ein Rinnsal des salzigen Meerwassers. Eine leichte Brise weht mir durch die von der Luft gelockten Haare. In der Ferne höre ich ein paar Möwen kreischen und wie das Wasser sanft ans Ufer schwappt.

Und dann blicke ich auf. Der Himmel ist rosa getüncht, am Horizont erstrecken sich fluffige Wolken. Wie Zuckerwatte sehen sie aus. Die Sonne ist schon untergegangen. Es ist diese Zeit dazwischen, bevor es dann wirklich dunkel wird. Ein magischer Moment. Diese Schönheit, die von der unendlich scheinenden Weite des Watts ausgeht und irgendwo weit draußen mit den sanften Farben des Himmels verschmilzt, ist unbeschreiblich.

Ich versuche, so viel wie möglich von diesem Moment in mir aufzunehmen, stehe einfach da, wie gelähmt. Gelähmt von den Naturgewalten, dem Schauspiel, das sich mir gerade bietet.

Die Szenerie macht mich melancholisch. In Momenten solch absoluter Schönheit bin ich enttäuscht darüber, was unsere Spezies auf diesem vollkommenen Planeten anrichtet. Wann haben wir aufgehört die Natur zu respektieren?

Und ich denke nach. Über uns Menschen und wie klein ich mir in solchen Momenten vorkomme. Wie unbedeutend unsere Leben sind. Wir, die uns mächtig fühlen und reich und herrschend. Wir, die nie genug bekommen können von Besitztümern und Anerkennung. Wir, die so verschlossen und ignorant nur auf unsere eigenen Leben achten, ohne Rücksicht auf unsere Erde.

Da stehe ich also, überwältigt von dem was ich sehe und fühle. Und am Horizont lösen sich die rosa farbenden Wolken langsam auf und machen Platz für die hereinbrechende Nacht. Und ich frage mich, wer diese Schönheit sieht so wie ich.

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