Make up free?

Über meine Haut, warum es bei Make up um mehr geht, als Pinsel und Schwämmchen und warum ich da nicht mehr mitmachen will.

Bevor wir anfangen, ein kleiner Disclaimer. Mit Make up meine ich tatsächliches echtes Make up. Für die Haut. Ich liebe Lippenstift, benutze Lidschatten, Wimperntusche und was für die Augenbrauen, nur eben kein Make up. Kein Concealer, kein Puder.

Als ich das Titelbild dieses Beitrags meiner Mom gezeigt habe, meinte sie: Das ist so ein schönes Bild Celine, aber deine Haut… Meinst du nicht, du willst das lieber ein bisschen abdecken?

Aber fangen wir von vorne an. Ich habe seit der Pubertät schlechte Haut. Sie ist unrein und trotzdem irgendwie trocken, an manchen Tagen sehe ich aus wie ein Streuselkuchen und an anderen denke ich, ich hab das endlich in den Griff bekommen. Und ja, ich hab schon alles versucht. Ich habe konventionelle Produkte versucht, bin dann auf Naturkosmetik umgestiegen. Ich habe mich „normal“ ernährt, esse jetzt nur noch Pflanzen und kaum Zucker. Ich versuche viel zu trinken, mache Sport und bin in der Sonne an der frischen Luft. Klar, ich könnte meine Finger noch ein bisschen öfter aus dem Gesicht lassen, aber sonst…

Schon beim ersten Pickel hab ich mir einen Concealer gekauft. Es ist peinlich mit unreiner Haut herumzulaufen dachte ich damals. Es sieht nicht schön aus. Also hab ich es gemacht wie viele Frauen und Mädchen: Abdecken. Alles abdecken. Sich Tag ein Tag aus (außer vielleicht im Urlaub und an Sonntagen) eine hellbraune Masse ins Gesicht zu schmieren schien mir vollkommen normal zu sein.

In einem Podcast hab ich dann vor etwa einem Jahr einen Satz gehört, der mich nachdenklich gemacht hat: „They really make us feel unworthy, so we buy products to fix ourselves.“ Traurig, dachte ich.

Plötzlich hab ich realisiert wie sehr wir alle auf dieses geschickte Marketing reinfallen. Denn letztendlich ist es nichts anderes. Make up gehört zur Kosmetikindustrie. Es geht hier um Geld. Die wollen ihre Produkte loswerden. Also trichtern sie uns geschickt eine Botschaft ein: Schau mal, an dieser Stelle bist du nicht perfekt, wir haben da was für dich… Wow.

Aber so einfach ist das dann auch gar nicht mit dem aufhören. Ich hab mich am Anfang einfach nicht getraut ohne Make up in die Uni zu gehen. Es fühlt sich falsch an. Nackt. Und zu realisieren, wie abhängig ich schon war von der kleinen unscheinbaren Tube in meinem Badezimmerschränkchen hat mich ein bisschen verzweifeln lassen. Ich wurde richtig unzufrieden mit meinem Gesicht.

An einem Tag im Oktober hat es dann Klick gemacht. Eines Morgens stand ich auf, sah in den Spiegel und dachte: „Naja, das ist eh nur das Praktikum. Eigentlich ist es meinen Kolleginnen sicher piep egal wie meine Haut aussieht.“ Von diesem Tag an hab ich die kleine Tube einfach stehen gelassen.

Denn wir machen das letztendlich nicht für uns. Wir machen das nicht für andere. Wir machen das, weil wir glauben, es gehört sich so. Weil uns Tag täglich in allen Lebensbereichen die Illusion von Perfektion begleitet, die wir als Mensch mit dem und dem Produkt erreichen können. Aber das können wir dann irgendwie doch nicht. Wir fühlen uns schlecht. Kaufen ein neues, anderes Produkt.

Seit ich kein Make up benutze, bin ich mit meiner Haut zufrieden. Es ist damals eine richtige Last von mir gefallen. Dieses Riesen Thema, das irgendwie bei jedem Blick in den Spiegel da war, hat sich in Luft aufgelöst. Meine Haut ist nicht besser geworden, aber ich habe sie akzeptiert wie sie ist. Sie macht einen tollen Job.

Und wenn meine Mom mich fragt, ob ich das nicht lieber abdecken will, sage ich nein. Ich stehe zu mir, zu meinem Körper, zu meiner Haut. Ich bin perfekt, gesund und zufrieden so wie ich bin. Und du, du bist es auch.

 

Hier gehts zum thematisch ähnlichen Beitrag „no bra club.“

5 Antworten auf “Make up free?”

  1. Make-Up ist eine Sache für sich. Es lassen sich wahre Wunder damit vollbringen aber auch die natürliche Haut völlig zerstören.
    Meistens reichen „Kleinigkeiten“ völlig aus.
    Ich mag beispielsweise reines Olivenöl statt Feuchtigkeitscreme – wirkt genauso.
    Statt Peeling nehm ich lieber Kaffeesud und spül ihn ab.

    Manchmal ist weniger eben doch mehr.

    Schön, dass du dich traust – weiter so!

    Gefällt 2 Personen

    1. Danke für deinen Kommentar meine Liebe! 🙂 Ich bin auch noch lange nicht komplett Kosmetik frei, aber das ganze ein bisschen zu reduzieren, mal über alles nachzudenken und vielleicht ein bisschen nachhaltiger zu gestalten ist mir einfach super wichtig. Da bin ich also ganz bei dir.
      Liebe Grüße 🙂

      Gefällt 1 Person

      1. Lass dir die Zeit, die du brauchst. Schritt für Schritt ist ohnehin meistens besser als ein völliger, sofortiger Neustart.

        Kleiner Tipp am Rande:
        Schau dir mal an, was unsere Großmütter als Kosmetika nutzten. Damals ging es auch ohne Chemie und das Ergebnis war oft phantastisch.
        Olivenöl und Kaffeesud sind nur ein Beispiel dafür.

        Gefällt 1 Person

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