Das Strohhalm Paradox

Ein paar harte Fakten zur Nachhaltigkeit und warum es paradox ist, wie viel Aufmerksamkeit Plastikstrohhalme bekommen.

Es ist ja so, dass momentan tatsächlich ein kleiner Nachhaltigkeits- Hype entstanden ist – auch außerhalb meiner filterbubble. Menschen denken über Plastik nach, es werden Bilder veröffentlicht, man redet über Feinstaub und beginnt sich Sorgen zu machen. Den Eindruck hab ich zumindest.

Und den Preis für die meiste Aufmerksamkeit bekommen… (Trommelwirbel bitte): die Plastikstrohhalme. Allen voran die, die im Meer schwimmen.

In den sozialen Medien stößt man auf dramatische Zitate wie: „It´s just one straw. Said 8 billion people“ Und auf einmal geraten alle in eine leichte Panik und die Regierung fängt an über Strohhalm Verbote zu debattieren.

Ich bin ein öko, aber das ist leider ziemlicher Unsinn.

Warum? Um dieser Frage nachzugehen muss man sich mal ansehen, welches Plastik denn überhaupt so im Meer schwimmt und wie viel davon tatsächlich die bösen Strohhalme sind. Nach Schätzungen machen nämlich auch Strohhalme von 8 Milliarden Menschen nur einen Promille Anteil des aktuellen Plastikmülls im Meer aus. Traurig, aber wahr.

Aber was ist denn dann das Problem, wenn es nicht die Strohhalme sind? Den größten Anteil des Plastikmülls haben verloren gegangene, kaputte, ausrangierte und vergessene Fischernetze. Jawohl. Ganze 46% des Plastikmülls im Meers stammt von sogenannten „Geisternetzen“.

Und wieso denkt die Regierung dann nicht darüber nach Fischernetze zu verbieten, könnte man sich jetzt fragen.

Ich habe dazu keine Forschungen angestellt und ich bin auch keine seltsame Verschwöhrungstheoretikerin, allerdings sollten wir an dieser Stelle vielleicht kurz darüber nachdenken, welchen wirtschaftlichen Ertrag Plastikstrohhalme für Deutschland bringen und um welche Summen es beim Fischfang geht. Hm.

Außerdem scheint Fisch eine recht stabile Lobby zu haben. Denn obwohl tatsächlich schon ganze Plastik-Teile in Fischkörpern gefunden wurden (die wir dann essen) steht der Fisch gut da. Er ist eine tolle Quelle für wichtige Fettsäuren, gilt als super gesund und ist auch was für echte Genießer. Im Gegensatz dazu machen sich wohl eher weniger Leute für die armen Strohhalme stark, die momentan als DIE Umweltsünde gelten.

Genau das gleiche passiert übrigens mit den Avocados. Ja, genau die, die ja angeblich so unglaublich viel Wasser verbrauchen… Wusstest du, dass 1 kg Rindfleisch 15 mal mehr Wasser zur Herstellung verbraucht und 1 kg Kaffee ganze 20 mal mehr? Hm. Warum redet denn dann niemand darüber?

Versteh mich nicht falsch. Auch ich trinke Kaffe und esse Avocados und selten auch mal einen Fisch. (Strohhalme fand ich als Kind mal toll, mittlerweile kann ich auch ohne ganz gut aus dem Glas trinken.) Und ich will hier auch nicht mit der Moralkeule schwingen.

Was ich dir eigentlich sagen will ist, dass man ab und zu vielleicht einen Schritt zurücktreten sollte. Dass man Dinge hinterfragen sollte. Und dass man in Sachen Nachhaltigkeit wesentlich wirksamere Fortschritte macht, wenn man Fisch aus dem Speiseplan streicht, im Restaurant auf das Rindersteak verzichtet und sich stattdessen eine neue Packung Plastikstrohhalme gönnt.

Klingt paradox, ist aber so.

2 Antworten auf „Das Strohhalm Paradox

  1. Hey 😉

    ja, irgendwie ist es an manchen Stellen schon paradox, dass wir unsere Aufmerksamkeit solch kleinen Dingen widmen. Doch es ist zumindest ein Schritt in die richtige RIchtung. Ähnlich wie, dass in Supermärkten die Plastiktüte nach und nach aus dem Sortiment verschwindet.
    Zu Fisch und dessen Auswirkungen habe ich auch mal einen Beitrag geschrieben: https://wiressenpflanzen.de/2019/01/07/mindful-monday-warum-wir-uns-mehr-bewegen-sollten/?fbclid=IwAR3KPNF5p0j-5YD37cICaJX_DziQ7o9U_uuyj0bAfVj0I9pvSxjotaWkZpA
    Fisch vom Speiseplan zu streichen wäre in der Tat sehr hilfreich und auch effizient in Sachen Umweltschutz und Nachhaltigkeit.
    Doch wie gesagt, ich werte auch die kleinen Schritte als bedeutend. Denn jede Form von Bewusstsein ist einfach ein Schritt in Richung posiitive Veränderung ;).

    Lg

    Gefällt 1 Person

    1. Da sprichst du einen wichtigen Punkt an meine Liebe. Natürlich sind es die kleinen Schritte, die immerhin schon die richtige Richtung ansteuern und das bezweifle ich auch gar nicht. Mir war nur wichtig mal aufzuklären wie blind man manchmal Annahmen hinterherläuft, ohne sie zu hinterfragen. Grundsätzlich bin ich aber natürlich auch gegen Plastikstrohhalme 🙂
      Danke für deinen Kommentar. 🙂 Liebe Grüße

      Gefällt 1 Person

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