Währenddessen in Australien: Minimalismus? Paradoxien.

about minimalism, Minimalism

Huhu du.

Heute gibt´s wieder was zum Nachdenken. Ich selbst verstricke mich total in meinem Gedankenwirrwar zu diesem Thema. Hier in Australien hatte ich zwei Erlebnisse, die mir mal wieder gezeigt haben, wie wichtig es ist, dass wir jetzt anfangen besser mit unserer Umwelt umzugehen. Und ich bin mal wieder aufgeblüht in meiner minimalistischen Welt und hab mir noch mehr öko-Maßnahmen für Zuhause überlegt und war richtig euphorisch. Bis mich jemand auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt hat.

Passiert ist das Ganze bei einem recht ungezwungenem Gespräch zwischen einem Finnen und mir in einem der vielen Hostels, in denen wir übernachtet haben. Ich hab mich mit ihm lange über Sprache unterhalten und es war wirklich interessant und dann hab ich meinen Blog erwähnt und gesagt ich wäre Minimalistin. Ich halte mich ja auch für eine Minimalistin.

Und dann meinte er ganz trocken: Du bist Minimalistin und bist in Australien? Ich hab versucht mich zu rechtfertigen. In Besitz und Genuss hab ich dir ja schon mal erzählt, worauf es mir im Minimalismus ankommt. Aber dann meinte er, ob Minimalismus nicht auch was mit Umweltschutz zu tun hat und ich meinte, dass ich versuchen würde, Plastik zu vermeiden und alles. Seine Worte dazu: „Du bist mit einem Flugzeug nach Australien geflogen, das hunderte Liter Kerosin verbraucht, das sind tausende Plastikverpackungen. Manchmal baut man sich eine Welt auf und denkt alles ist stimmig, aber man verliert die Realität aus dem Blick“

Das hat mich richtig überrumpelt. Ich meine klar weiß ich, wie schädlich es ist zu fliegen und ich hab hier in Australien auch nicht wirklich auf meinen ökologischen Fußabdruck geachtet. Aber daheim werd ich dann wieder ganz genau überlegen, ob ich wirklich Karteikarten für die Uni brauche, weil die ja in Folie eingewickelt sind… Das ist einfach paradox. Oder nicht?

Ich glaube das ist es, was Menschen schmunzeln lässt. Das ist es, was den Minimalismus vielleicht hin und wieder lächerlich aussehen lässt. Diese Inkonsequenz. Aber ist diese Inkonsequenz schlimm? Und muss man denn überhaupt konsequent sein oder geht es hier eigentlich um etwas anderes?

Ich versuche das jetzt mal von vorne nach hinten aufzudröseln. Minimalismus ist eigentlich ein Mittel zum Zweck. Als Minimalist erhofft man sich, durch die Reduktion von einem oder mehreren Bereichen im Leben, mehr aus dem Leben selbst rausholen zu können, glücklicher zu sein. Per se ist der Minimalismus also erst mal etwas ich-bezogenes, er fängt bei der Person an, die ihn „anwenden“ will.

Mir ging es erst einmal darum, Besitz zu reduzieren. Ich wollte weniger Kleidung und weniger Kosmetik und weniger unnützen Kram. Weniger Materielles eben. Und gleichzeitig gabs da eine ethische und umweltbewusste Komponente. Ich wollte keine Kleidung mehr kaufen, die unter schlechten Bedingungen produziert wurde und ich wollte der Umwelt weniger schaden. Ich glaube diese beiden Komponenten kommen daher, dass man auch anstrengende Gedanken reduzieren möchte. Schließlich will man als Minimalist ja alles reduzieren, was einem am Glück hindert. Von dort kommt man irgendwie zu einem Punkt, an dem auch das umweltbewusste Handeln aus einer ich-bezogenen Motivation heraus passiert. Verhalte ich mich umweltbewusster, muss ich mir weniger Sorgen um Umweltverschmutzung machen. Klingt jetzt irgendwie ganz schön egoistisch. Ganz so ich-bezogen sehe ich das allerdigs nicht, weil die Tatsache, dass man sich Sorgen um die Umwelt und andere Menschen macht, alles andere als egoistisch ist.

Fassen wir also zusammen: Minimalismus ist etwas individuelles und deswegen kann auch jeder für sich entscheiden in welche Lebensbereiche er seinen Minimalismus lenken will. Außerdem geht es nie primär darum, die Umwelt zu schützen oder Weltverbesserer zu spielen. Es geht darum, alles Materielle und Immaterielle (wie Gedanken und Gefühle) aus der Welt zu schaffen, das einen dran hindert wirklich glücklich zu sein.

So weit so gut, ich fühle mich trotzdem noch schlecht wegen den vielen Litern Kerosin. Um mich wenigstens ein bisschen zu beruhigen, hab ich mich dann wieder an meinen Grundsatz erinnert, den ich zum Beispiel auch bei meinem Teilzeit Vegetarismus verfolge. Und zwar: Lieber nur halb als gar nicht. Lieber nur halb Vegetarier sein, als gar nicht. Lieber nur halb umweltfreundlich leben, als gar nicht. Wenn nämlich alle nur halbe Vegetarier und halbe Umweltschützer und halbe Fast Fashion Gegner wären, dann wären wir wohl schon ein ganzes Stück weiter.

Vielleicht macht das alles hier nicht viel Sinn für dich, vielleicht schon. Ich wollte einfach mal aufschreiben, was ich darüber denke, weil ich oft wegen meiner Inkonsequenz kritisiert werde und der Minimalismus schnell als lächerlich abgestempelt wird.

Das Titelbild für diesen Post hab ich in einem Kunstmuseum in Sydney gemacht. Passenderweise hat dort jemand das Korallenriff aus Plasikteilen dargestellt.

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4 Gedanken zu “Währenddessen in Australien: Minimalismus? Paradoxien.

  1. Hallo! Ein schöner Beitrag und ich finde du hast deine Gedanken sehr gut auf den Punkt gebracht. Mir geht es auch oft so, dass ich bei all dem, was auf der Welt schief läuft, das Gefühl habe, dass ich zu wenig dagegen unternehme. Aber dann fällt mir ein, dass ich zumindest auf so viel mehr achte wie die meisten Menschen auf dieser Erde und ich würde mir wirklich wünschen, dass jeder – wie du es nennst – zumindest ein halber Umweltschützer wären. Denn das Erreichen jedes großen Ziels beginnt erst einmal mit einem kleinen Schritt.

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